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Der Markterfolg des 997 GT3 Cup hat sein Vorgängermodell auf 996-Basis in den Schatten
gestellt. Doch was tun mit den ausgereiften, attraktiven und schnellen Rennern von Porsche
Motorsport? Heinz Weber, das Sportleiter-Urgestein vom Württembergischen Porsche Club e.V.
(WPC), schuf mit dem Porsche Club 996 Cup eine neue Einsatzmöglichkeit. Der erste Titelgewinner
ist inzwischen gekürt, André Krumbach heißt er und kommt aus Eschweiler im Aachener
Umland - Portrait des Nürburgring-Kenners.
Obwohl erst 41-jährig, ist André
Krumbach im Motorsport ein
alter Hase. Kurz nach seinem
zweiten Wiegenfest nahm ihn der Vater
an die Nürburgring-Nordschleife
mit und prägte den weiteren Lebensweg.
Sein 15 Monate jüngerer Bruder
Jochen verfolgte eine Karriere als
Reifentestfahrer und ist inzwischen
im Fahrerkader bei Manthey-Racing in
der VLN-Langstrecken-Meisterschaft
Nürburgring fest etabliert. Er teilt sich
in dieser Saison das Cockpit eines 911
GT3 R mit Phlipp Wlazik sowie Marc
Gindorf. Und Toni Krumbach, der Onkel
der schnellen Brüder, machte sich
einen Namen als Privatfahrer in der
Formel Ford 1600. Mit ihm tingelte
Jung-André zu den Rennstrecken der
Nation, und eignete sich die Geheimnisse
des Schraubens an. Das Rennen
fahren erlernte er im mintgrünen VW
Polo Coupé des Aachener Motorenbauers
Klaus Derondeau. Das bevorzugte
Terrain der beiden: die Nürburgring-
Nordschleife. André Krumbach
schlug zwei Fliegen mit einer Klappe:
Er fuchste sich in die Tiefen des Motorenbaus
und bot der "Grünen Hölle"
das Du an. Seit 1992 ließ er nur wenige
24-Stunden-Rennen auf dem Eifelkurs
aus, 2011 zuletzt setzte er in Eigenregie
einen 997 Cup ein. Bei diesem Fahrzeug
handelte es sich um den ehemals
schwarzen Carrera aus dem ADAC-GTMasters
2008, den der Ex-DTM-Profi
Jörg van Ommen für Christopher Mies
und Jens Richter an den Start brachte.
Wie geht das - vom mintgrünen VW
Polo in den Cup-Porsche? André Krumbach,
der mit einem Angestellten in
Eschweiler bei Aachen einen Renn- und
Sportwagenservice betreibt, erinnert
sich an die Saison 2005. Seinerzeit betreute
er für Christian Rumland, einen
ambitionierten Hamburger Clubsportler,
dessen 2002er 996 GT3 Cup aus
Ex-Beständen von Gerhard Müller.
Dem Schwabacher Selfmademan war
2001 das Kunststück gelungen, beim
24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring
den zweiten Gesamtrang einzufahren.
Kurt Thiim war damals einer
seiner Mitstreiter. Jedenfalls erwarb
Christian Rumland einen der ursprünglich
im Blau des Hauptsponsors Sennheiser
gestalteten Cup-Elfer, nachdem
Müllers Privatteam GM Sports
geschlossen worden war. Der Norddeutsche
plante einen Start in Spa-
Francorchamps und motivierte André
Krumbach, als zweiter Steuer-Mann ins
Lenkrad zu greifen. "Und dann ist es
passiert", heißt es im breitesten, für
das Aachener Umland typischen Zungenschlag.
"Ich drehte ein paar Runden
und merkte sofort – das ist mein
Auto! Ein halbes Jahr später habe ich
es gekauft." 2006 lieh sich der Kölner
Ingenieur Kai Kruse den Neuerwerb
für die 24 Stunden Nürburgring aus.
Selbst mit einem LMP2-Prototypen
in der Le Mans Series (LMS) befasst,
besetzte er den Wagen mit der Sauerländer
Rennamazone Nicole Lüttecke
- wir berichteten in PORSCHE SCENE
09/2006.
Gesamtrang 35 für Nicole Lüttecke
und ihren Vater Günther, Christopher
Brück sowie Leonhard Schiller war das
Resultat vor annähernd fünf Jahren. Anschließend
ging es für den Cup-996 primär
in der Castrol-Haugg-Cup (CHC),
Rundstrecken-Challenge (RCN) und in
der VLN-Langstreckenmeisterschaft
Nürburgring weiter. Doch die nachrückenden
997 GT3 Cup verdrängten
die älteren 996. 2005 führte Porsche
das neue Markenpokal-Modell über
den Supercup in den Weltmarkt ein,
gegen Ende des Jahres erschien ein
erstes Exemplar in der VLN-Szene. Die
folgenden Jahre brachten einen Generationswechsel
mit sich, inzwischen
gehören 996 GT3 Cup in der VLN und
beim 24-Stunden-Rennen zu den Exoten.
Wohin mit diesen ausgereiften,
attraktiven und schnellen Rennern?
Darauf hatte niemand eine rechte Antwort parat, ehe Heinz Weber sich im
Spätherbst 2009 der Sache annahm.
Der erfahrene Rennleiter des Württembergischen
Porsche Club e.V. hatte
die erste Saison der Porsche Historic
Club Challenge (PCHC, wir berichteten
in PORSCHE SCENE 01/2011) über die
Bühne gebracht. Nun startete er einen
Online-Aufruf. Weber wollte wissen,
wie viele Besitzer eines 996 GT3 Cup
an einem eigenen Markenpokal im Rahmen
"seiner" PCHC interessiert seien.
Als das zweite Dutzend voll war, stand
fest: wird gemacht - zwar nicht in einem
gemeinsamen Feld, dafür als getrennt
gestarteter Wettbewerb.
Heinz Weber schwebte ein Respektabstand
von einer Minute zwischen den
beiden Konkurrenzen vor, und so zog
er es auch durch. Ein winzig kleines Detail
sollte für Unterhaltung sorgen: Zwei
Durchgänge waren an einem Wochenende
vorgesehen, einmal sollte der Porsche
Club 996 Cup eine Minute vor der
PCHC starten, einmal um eine Minute
versetzt hinter ihr. Das führte zu Überrundungsmanövern,
die Kurzweil und
sportliche Würze bescherten – Cup-996
und seriennaher 924 fahren nicht in einund
derselben Liga. André Krumbach
reaktivierte sein 2002 bei Porsche Motorsport
neu bezogenes Exemplar - es
war damals das erste Einsatzjahr der
großen, ockerfarbenen Sechskolben-
Bremse - und brach frohen Mutes zur
ersten Veranstaltung an den Hockenheimring
auf. Dort regnete es - an sich
keine Hürde für einen Intimkenner der
Nürburgring-Nordschleife, schließlich
ist der Regen ein stetiger Begleiter des
EIfelkurses. Im silbernen Renntransporter
lag auch profiliertes Reifenmaterial,
aber eben älteres, aus alten VLN-Beständen.
"Ich hatte mir gedacht, das
regelste schon!", schmunzelt André
Krumbach. "Und dann musste ich feststellen,
meine Gegner in der Klasse 9A
– da fahren Autos der Baujahre 1998 bis
2002 - nicht hoch genug eingeschätzt
zu haben. Da wurden im Nassen gute
Zeiten gefahren, zum Teil auf neuen
Reifen, und ich rutschte erst einmal
ins Mittelfeld ab." Bis zum zweiten
Termin war der Serien-Neueinsteiger
besser sortiert, ausgerechnet auf dem
Nürburgring schwenkte der Rennleiter
die Startflagge. Auf seiner Haus- und
Hofstrecke konnte André Krumbach ein
erstes Glanzlicht setzen: vom letzten
Startplatz innerhalb zwei Runden auf
den zweiten Gesamtplatz hinter Thomas
Neuert, der eine aktuellere Version
in der Klasse 9B pilotierte!
Wieder spielten die Reifen eine ausschlaggebende
Rolle. Auf profillosen
Slicks im Halbtrockenen - das traut sich
nicht jeder zu. Krumbachs nüchterne Erklärung
für den Parforce-Ritt: "Auf dem
Nürburgring kenne ich mich eben aus!"
So einfach kann es gehen im Porsche-
Sport. Dass es ohne Tür verdammt zugig
werden kann im 997 GT3 Cup, stellte
sich beim 24-Stunden-Rennen 2010
heraus. "Sie müssen sich das wie einen
Urknall vorstellen!", beschreibt der Unerschrockene,
erst dann kommt er auf
die Umstände seiner tiefgründigen Erkenntnis
zu sprechen. "Im Startgetümmel
hatte ich Kontakt mit einem anderen
Fahrzeug. Eigentlich sichert so ein
Spezialstift die Karbon-Türen. Doch ich
berührte meinen Gegner so ungünstig,
dass der Stift nicht hielt und die rechte
Tür davonflog. Das war gewaltig! Nie
hätte ich gedacht, dass es so laut sein
kann!" Nach dem Langstrecken-Klassiker
zweimal rund um die Uhr kehrte
André Krumbach mit einem neuen Teamkollegen
in den Porsche Club 996 Cup
zurück. Die ersten beiden Punktrunden
bestritt er mit André Thiele, ab dem dritten
Rennwochenende löste er sich mit
Stephan Nägler ab. Von diesem Fahrerwechsel
an steuerte der Zug in Richtung
Meisterschaft, die Krumbach denn auch
gewann. Er setzte sich nicht innerhalb
seiner Klasse 9A, sondern auch in der
Gesamtwertung durch. Das Fazit der ersten
Saison fällt positiv aus: "Guter, bezahlbarer
Motorsport, der Spaß macht.
Wenn sich zwei Fahrer das Auto und die
Kosten teilen, kommen sie mit 6.000 Euro
pro Veranstaltung über die Runden."
Mit einem 997 GT3 Cup sähen die Ausgaben
allein schon aufgrund des Revisionsbedarfs
im Antriebsbereich – 2005
führte Porsche Motorsport über den 997
GT3 Cup ein sequenziell geschaltetes
Sechsgang-Getriebe ein – anders aus.
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"Zwischen beiden Cup-Generationen
- 996 und 997 - kann ich Vergleiche
ziehen, da ich mit beiden Modellen arbeite",
dokumentiert André Krumbach.
Wenn auch der erste Lauf 2011 im Zeichen
einer unverschuldeten Kollision
stand - das Unternehmen Titelverteidigung
hat er fest im Visier. Und auch
beim 24-Stunden-Rennen auf "seinem"
geliebten Nürburgring wird er wieder
vertreten sein, dann jedoch im 997. Ein
Traum bleibt: einmal mit seinem Bruder
Jochen gemeinsam in einem schlagkräftigen
Auto sitzen. "Ich mache hier alles
selbst, auch die Motoren und Getriebe",
sinniert der Motorsport-Enthusiast, "ein
Spitzenteam wie Manthey-Racing hat da
weiter reichende Möglichkeiten, das bekomme
ich ja mit! Aber vielleicht darf
ich irgendwann einmal für einen Stammfahrer
einspringen, so denn jemand
verhindert sein sollte. Das wäre einfach
schön!" Familienverbände sind beim
24-Stunden-Rennen Nürburgring zurzeit
groß in Mode. So wird Hans-Joachim
"Strietzel" Stuck bei der diesjährigen
Auflage seine Karriere als Berufsfahrer
an der Seite seiner Söhne Johannes
und Ferdinand beschließen. In diesem
Zusammenhang ein Hinweis in eigener
Sache: Noch in der Oktober-Ausgabe
2010 hielten wir einen Porsche-Einsatz
der drei Stucks für möglich. Sie werden
einen Lamborghini aus Hans Reiters Tuningküche
steuern, das steht inzwischen
fest.
Text: Carsten Krome
Fotos: Manfred Michelmichel, Carsten
Krome, Philipp und Martin Lofing
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